Freddy M.`s mobile Tierheilpraxis und       ganzheitliches (Online-)hundetraining

für Gladbeck und Umgebung

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#5 Die (Früh-)Kastration

Kaum ein anderes Thema wird in der Hundewelt so kontrovers diskutiert, wie das Thema "Kastration". Okay, die Ernährung vielleicht. 

Und dabei gibt es eigentlich kaum etwas zu diskutieren. Aber fangen wir von vorne an.

Hündinnen kommen mit der ersten Läufigkeit in die Pubertät (im Vorfeld ist ein stärkerer Östrogenanstieg zu beobachten). Rüden kommen - und ich denke das wissen wir fast alle - mit dem "Beinchen heben" (Markieren) in die Pubertät. Oftmals ist dies auch am etwas "ruppigeren" oder rüpelhaften Verhalten zu erkennen.
Und danach sind die Hunde dann erwachsen? NEIN! Auch hier muss man wieder unterscheiden zwischen Rasse, Größe, ggf. Spätentwickler etc. Jedoch gibt es eine Faustregel, die man sich in erster Linie sehr gut für die Hündin merken kann: Eine Hündin muss mindestens 3 Läufigkeiten einschließlich der Scheinträchtigkeit durchlaufen, bevor man sie als "erwachsen" bezeichnen könnte. Der Rüde kann als "erwachsen" bezeichnet werden, wenn er in dem gleichen Alter ist, in dem die Hündin (der gleichen Rasse) die 3. Läufigkeit abgeschlossen hat. Wie gesagt, dies ist stark rasseabhängig. Ein Herdenschutzhund, ein Hovawart etc. ist gerade mal mit ca. 4 bis 4 1/2 Jahren (!) erwachsen!
Streng genommen ist also alles, was vor diesem Zeitpunkt passiert, eine Frühkastration! 

Aber was genau tue ich meinem Hund jetzt damit an?
Zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Entwicklung eines Jungtieres, schalten sich die sog. "Pubertätsgene" ein. Diese sind für einen Anstieg der Geschlechtshormone zuständig, die Schilddrüse wird aktiv (Thyroxin) und das "Wachstumshormon" wird verstärkt produziert. Diese Hormone haben selbsterklärend eine enorme Auswirkung auf den gesamten Körper, Organe etc. (bspw. wird unter dem Einfluss dieser Hormone das Längenwachstum der Röhrenknochen beendet), die Wachstumsfuge wird geschlossen, Bänder und Sehnen werden gestärkt und der Muskelaufbau verstärkt sich.
Bereits an dieser Stelle kann man sich ausmalen, was eine Frühkastration mit einem Tier macht... Dem Tier wird der für die Umgestaltung der Knochen und Gelenke notwendige Hormonschub schlichtweg genommen!
Folgen: Verstärktes Längenwachstum, lange schlaksige Beine, weniger gut ausgebildete Gelenkflächen, Gefahr von Kreuzbandrissen steigt, häufigere Gelenkserkrankungen - vor allem bei erblicher Veranlagung - 
Das Herz-Kreislauf-System und das Nervensystem werden ebenfalls während der Pubertät gestärkt. Wie oft treten bei viel zu früh kastrierten Hunden Herzschwächen und Kreislaufprobleme auf?!
Auch Cortisol und Prolaktin schwanken während der Pubertät sehr stark (Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit etc.). Wird gerade JETZT kastriert, wird entweder die gerade in diesem Zusammenhang auftretende Unsicherheit / Stressanfälligkeit, oder auch die Aggressivität für das weitere Leben festgeschrieben (neben den bereits aufgeführten Problemen mit Herz-/Kreislauf, Gelenke/Knochen u. Organen).

An dieser Stelle möchten wir auch nochmals dringend auf die leider immer noch weit verbreiteten, aber unwirksamen "Tierschutzverträge" mit Klauseln zur "Verpflichtung der Adoptanten zur Kastration des Hundes" hinweisen. Ja, der neue Halter sollte alles tun, um zu verhindern, dass sich sein neuer Tierschutzhund fortpflanzt. Aber dies kann NICHT in sog. "Schutzverträgen" verpflichtend festgelegt werden, da dies gegen geltendes Recht verstößt. Seid also achtsam und nehmt lieber Abstand bei solchen Verträgen. Ebenso solltet ihr dringend Abstand nehmen von viel zu früh kastrierten "Tierschutzhunden", die oftmals schon mit 4 oder 5 Monaten im Ausland kastriert wurden. Ihr tut euch - und letztendlich auch dem Hund - keinen Gefallen damit!

Dieses Thema ist wahnsinnig komplex und sicherlich könnte man noch viel ausführlicher darüber schreiben. Jedoch habe ich versucht, es kurz und kompakt zu halten und euch zumindest einen Einblick in das so wichtige Thema zu gewähren, da es einfach enorm wichtig ist... auch die Aufklärung darüber! 

Fazit: Die Kastration eines Hundes ist tatsächlich (auch unter juristischer Betrachtung) nur in ganz wenigen Fällen erlaubt! Ja, es ist jedem Hundehalter zuzumuten, achtsam mit seinem Hund durchs Leben zu gehen und ggf. Maßnahmen zu treffen. Dazu sind (nennen wir das Kind mal beim Namen) viele "Hundehalter" schlichtweg zu bequem! Ja, auch Tierärzte verstoßen gegen geltendes Recht, wenn sie mal wieder "ohne medizinische Indikation" kastrieren... 

In diesem Sinne, einen wundervollen Sommer wünsche ich euch.